Menorca? „Diferente“!

Menorca ist anders: So mein Gefühl, als wir auf dem Flughafen von Maó landen. Leere Sitzplätze im easyJet-Flug von Berlin. Und auf dem modernen, großen Flughafen mit achtzehn Gates ist unsere orange-weiße Maschine das einzige Flugzeug…

Der Flughafenbus zur Inselhauptstadt Maó ist gerade abgefahren – der nächste kommt in einer Stunde.

Ist schon OK.

Irgendwie haben wir plötzlich Zeit.

Ein moderner Linienbus bringt uns durch grüne Hügel mit schwarzbunten Kühen nach Ciutadella, der zweitgrößten Stadt der Insel. Die Fahrt dauert keine Stunde, so dass wir am Mittag bereits in der verwinkelten Altstadt stehen und unser Hotel suchen. Aber hier ist plötzlich kein Handyempfang mehr, kein Google Maps, und es ist auch kein Mensch auf der Straße. Siesta. Schließlich erbarmt sich ein freundlicher Menorquiner, öffnet sein Wohnungsfenster und weist uns auf Französisch den Weg.

Auf Menorca gibt es mehr Strände als auf Mallorca. Der Unterschied: Zu vielen kommt man nicht so leicht hin. Parkplätze sind häufig, wenn es sie überhaupt gibt, einige bis viele Minuten Fußweg vom Strand entfernt.

Es gibt auch Linienbusse.

Aber nicht im April!

Der Weg nach Punta Nati ist ein wenig „otherworldly“. Die öde, Millionen Jahre alte Steinwüste sendet selbst im warmen Licht der untergehenden Sonne eine klare Botschaft von der Kraft der Natur. Mensch, fühl‘ dich nicht zu wichtig!

Von den Felsen am Leuchtturm aus sieht man am Horizont Mallorca, die große Schwester Menorcas. Es sind nur wenige Seemeilen, aber dennoch einige Stunden und auch einige Euro für das Schiffsticket, die die beiden Inseln voneinander trennen.

Der Weg nach Madrid ist noch weiter. Und auch von Madrid aus gesehen ist Menorca nur eine kleine, weit entfernte Insel. So finden die Entscheidungen, die die ferne spanische Zentralregierung oder die Regierung der Balearenregion in Palma de Mallorca für die Menorquiner treffen, nicht immer deren Zustimmung.

Genau wie in Katalonien gibt es auch auf Menorca den Ruf nach mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Einen eigenen Begriff haben eigensinnige Insulaner dafür auch schon geprägt: Sie fordern mehr Menokratie.

Maó – die Inselhauptstadt (Spanisch: Mahón). Auch klein und wirklich überschaubar, aber irgendwie doch näher dran am Rest der Welt als die Konkurrentin Ciutadella. Man mag kaum glauben, dass diese beiden friedlichen Minimetropolen sich einst eine bürgerkriegsähnliche Fehden geleistet haben.

Unser Gastgeber Ignasi vom Hotel Hevresac lässt keinen Zweifel daran, welche Stadt die bessere sei – Ciutadella ist ihm zu miefig, zu bürgerlich, eben einfach ein bisschen abgehängt und zu sehr der Vergangenheit verhaftet. Und tatsächlich, ein Blick in Maós Kultur-Veranstaltungskalender macht klar: Hier ist eine Menge los. Spräche man doch nur Menorquinisch oder doch zumindest Spanisch!

Gleich um die Ecke im Ca’n Oliver liegen Fundstücke aus Menorcas Geschichte. Auch die ist anders. Menorca ist die einzige Baleareninsel, die nahezu einhundert Jahre lang eine britische Kolonie war, dereinst von Wikingern überfallen wurde und sich im spanischen Bürgerkrieg auf Seiten der Republikaner gegen Franco gestellt hat.

Von der Cala Mesquida wandern wir ein kurzes Stück auf dem 180 km langem Inselrundweg Camí des Cavalls an der Küste entlang zur Albufera Es Grau, einem Marsch- und Salzwiesenhabitat an der Nordostküste Menorcas. Es Grau ist das Kernnaturschutzgebiet des 1993 eingerichteten Biosphärenreservats Menorca, das die gesamte Insel umfasst.

Auch der Laie entdeckt auf schmerzhafte Art und Weise die Artenvielfalt und die besonderen Pflanzen Menorcas, wenn er sich mit der linken Hand auf einem moosig-weich aussehendem Socarrell abstützt.

Weniger schmerzhaft ist der Anblick der bunten Puputs, die man gelegentlich herumfliegen sieht. Zu Deutsch: Wiedehopf. Leider war ich mit der kleinen Kompaktkamera nicht schnell genug.

Schreibe einen Kommentar